Das Bergbau-Museum in Grünbach am Schneeberge
Letzten Freitag, am 01.10.2017, war ich bei einer Museumsführung der etwas anderen Art. Zwischen Wiener Neustadt und Puchberg am Schneeberge gab es viele Steinkohlewerke. Das erste Werk in der Region war in Grünbach am Schneeberge. Als das Werk 1965 aufgelassen wurde, wurde viel Material und Ausstattung der Bergwerksleute zusammengetragen und wird noch immer im ehemaligen Gasthaus Krummböck, das damals genau am Schachtein- und -ausgang lag, ausgestellt. Es wird nun von der Tochter des Ehepaars Krummböck, die damals alles zusammentrugen, Marika Reichold betrieben. Mit ihrer selbst erfundenen Figur "Frau Franzi" macht sie den Museumsbesuch zu einem großartigen Erlebnis.
Die Führung beginnt im "Barraum" wo Frau Franzi zunächst auf sehr lustige Weise erzählt, wie es damals zum Bergwerk in Grünbach kam.
Zwischen 1823/1825 (die Quellen sind hier etwas unterschiedlich) hatte der Koglbauer-Bauer ein Stück Kohle aufgeackert, daß er in eines der Wirtshäuser damals mitnahm und dort als Steinkohle erkannt wurde. Weil das Aufackern des Feldes mit dem Ochsen zustande kam, gab es noch kurz eine Auflistung der damaligen Zahlen, so unter anderem 46 Ochsen, die Anzahl an Schafen und Ziegen, und zuletzt 36 Kinder, die zum Zeitpunkt der Entdeckung der Steinkohle in Grünbach lebten.
Im Raum zwischen und Grünbach und Traisstetten brach ein "Kohlerausch" aus. Der Brennwert der Kohle lag bei 6380 k/cal. Die Eigentümer der Grubn wechselten im Laufe der Zeit sehr häufig. Einer der wichtigesten war aber Heinrich von Drasche, Neffe des Mannes der mit den ersten beiden Schächten begonnen hatte. Von Drasche war Ziegelbauer, hatte Ziegelwerke bis nach Böhmen der viel in Wien gebaut hat. Auch die Tram der Ringstraße wurde (angeblich) mit Steinkohle aus Grünbach gebaut.
Als das Werk 1965 aufgelassen wurde lag die tiefste Sohle bei 1147 m. Zum Vergleich wurde genannt, daß von einer "anbrunste" Birke in der Nähe (die Bedeutung wurde im Verlauf des Museumsbesuch "erklärt") bis zum Bürgermeister-Sitz es genau so weit ist, oder 776x die Größe der Frau Franzi wäre.
Dann gab es von Frau Franzi mehrere Begriffserklärungen, kombiniert mit einem kleinen Quiz an die Museumsbesucher. Jeder, der die richtige Antwort wußte, bekam ein kleines Plus für die Mitarbeit. Ab drei Plus gab es einen kleinen grünen Sticker auf die Stirn. So wurde z.B. gefragt, was der Unterschied zum Tagbau ist (=Untertagbau), oder der Schachtmund als Mundloch bezeichnet wird. Auch ist die richtige Bezeichnung der Berarbeiter Bergleute, oder die "Arbeitsorte" Schacht und Stollen.
Dann erwähnte sie noch die "Förderschale" mit der Mannschaft und Material befördert wurde. Bei der Mannschaft war es 10 m/s, bei Material 12 m /s. Letzteres macht 36 km/h aus, was schneller war, als der damalige Lift beim Donauturm.
Danach wurden die verschiedenen Arten der Stollen erklärt. So verläuft ein normaler Stollen von links nach rechts und nach außen. Ein sogenannter Schrägstollen verläuft genauso, nur eben schräg verlaufend. Für die Entwässerung wurden ähnliche Schrägstollen gebaut. Der Blindschacht hingegen geht nur hinunter, aber nicht nach außen.
Auch erklärte Frau Franzi, daß die Bergleute für verschiedene Sachen eigene Bezeichnungen hatten, wie z.B. "Sechs Tanten" mit dem ein Werkzeug gemeint war.
Als nächstes erklärte sie die Initiation mit der man in den Bergmannsstand "sprang": der Ledersprung.
Dazu wurde ein sogenanntes "Arschleder" verwendet, von Bergleuten während der Arbeit fürs Rutschen durch den Stollen genutzt, daß über einem Bierfaß, manchmal auch über einen Sessel, gespannt wurde. Der "Aufnahmeritusleiter" fragte den, der einspringen wollte, nach seinem Namen, seinem Wohnort, seinem Stand und seinen Leib- & Lebesspruch. Nachdem der "Einspringende" das beantwortet hatte, trank er ein Glas Bier und sprang über das Arschleder in den Bergmannsstand.
Dann erklärte sie die Bedeutung der Marken. Jeder Bergmann hatte eine Metallmarke mit einer Nummer. Diese bekam man zu Schichtbeginn. Danach mußte man diese beim Obersteiger abgeben. Nach der Arbeit Untertag holte man sich die Marke beim Obersteiger wieder ab und gab sie beim Eingang wieder ab. Das war eine doppelte Absicherung. Erstens, daß man zur Schicht erschien, und zweitens, daß man auch wirklich arbeiten ging und nicht die Schicht verbummelte. Dem Obersteiger durfte keine Marke am Ende der Schicht übrig bleiben. War dies der Fall, war klar, daß etwas passiert sen mußte und man begann nach dem vermissten Bergmann zu suchen.
Die Nummern waren nicht nur auf den Marken sondern auch auf allen Werkzeugen. Frau Franzi machte dann einen Scherz bezüglich "Stollen N°5" statt "Chanel N°5" oder "4711 - Eau de Cologne" sei nicht zu verwechseln mit "Alte Kolonie". Dies war die Überleitung zur alten & neuen Kolonie, wo die Bergleute ihre Wohnungen hatten. Dabei wurde auch erzählt was alles dabei war, wie z.B. Wasser oder die Deputatkohle.
Dann erzählte Frau Franzi von der Kaue, einer Art "Badeanstalt", wo man sich nach der Arbeit wusch und zwischen Normal- & Arbeitskleidung wechselte. Dabei zeigte sich auch einen Püngelhaken auf dem die Kumpel das Gewand, aber auch ihre Schuhe aufhängten.
Auch erzählte Frau Franzi, daß die Bergleute ihr eigenes Lied hatten ("Glück Auf, Glück Auf! Der Steiger kommt"). Frau Franzi begann es zu singen. Alle Besucher kannten aber das Lied und so stimmten nach und nach alle Teilnehmer in das Lied ein und sangen es alle gemeinsam.
Die Steinkohle stammt zwar aus der Kreide, aber das Bergsgestein ist teilweise hangendes Triasgestein. Dabei war manchmal eine Wasserschleife nötig, also naßbohren. Denn beim normalen Bohren bekamen die Bergleute eine Staublunge.
Danach wurde noch ein bißchen was gezeigt, was die Bergleute als Arbeitskleidung nutzen. Z.B. unter den Gummistiefeln sogenannte "Gummifetzen", heute würde man Socken tragen, oder beispielsweise ein Teufelshaut.
Die "7 Bergzwerge" werden immer mit Zipfelmützen dargestellt. In früheren Bergbauzeiten hatte man keinen Helm, deswegen benutze man Zipfelmützen, die mit Stroh ausgestopft waren, um den Kopf zu schützen. In Grünbach hatte man keine Zipfelmützen sondern bereits einen Lederhelm, später dann einen Plastikhelm. Gegen das Scheuern, vor allem beim Lederhelm, nutze man einen Seidenstrumpf, den man sich über den Kopf zog.
Grünbach war auch das erste Bergwerk, wo die Kumpel Kopflampen mit Akku trugen. Das Gewicht des Akkus lag bei 3,5 kg. Später war die Ummantelung des Akkus aus Plastik, was ihn zwar einen halben Kilo leichter machte, wenn man aber ausrutschte und auf den Akku fiel, barst dieser und man lag in Batteriesäure, was 6 Wochen Krankenstand bedeutete.
Eine Regel war auch, daß man immer zu zweit unterwegs war. Daraufhin begaben sich die Museumsbesucher in den nächsten Raum, jeweils zu zweit, um eine Zimmerung zu imitieren. Das wurde als Stempel und Kappen bezeichnet. Dabei stellte man sich in einer Reihe gegenüber auf (Stempel). Ein Teil der Teilnehmer hätten die Kappen sein sollen, aber irgendwie sollte keiner von den Leuten, die in der Reihe standen über den Kopf gestemmt werden.
Frau Franzi erklärte, daß die Zimmerung 50 m pro Tag voranging. Die Polygonzimmerung war nötig, wenn Druck vom Berg kam. Dabei wurde bei der Zimmerung nachrechts oben und links oben mit Material gestemmt. Die Teilnehmer, die in der Reihe standen, demonstrierten sich das gegenseitig, indem sie sich leicht nach vorne beugen sollten.
Zuletzt erzählte Frau Franzi noch, daß die Bergleute Sprenggelatine in die Bohrlöcher legten. Während die Vormittagsschicht sprengte, räumte die Nachmittagsschicht die Steine auf. Diese beiden Schichten haben getauscht. Die der Nachtschicht haben nicht getauscht.
Im"barbara-Stüberl" konnten alle Besucher einen selbstgemachten Film sehen. Der hieß "Schbuansuche - Geschichte der heiligen Barbara". Die heilige Barbara ist unter anderem die Schutzpatronin für die Bergleute. Der Film erzählt über das Leben der heiligen Barbara. Sie wurde vom eigenen Vater wegen ihres christlichen Glaubens, zunächst in einem Turm eingesperrt und später, nach ihrer Flucht aus diesem, von ihm ermordet. Wie auch der Rest der Führung, war der Film sehr komikhaft, zumal Frau Franzi alle Rollen, von der Erzählerin, zum Vater bishin zur heiligen Barbara, in diesem Film, der bereits 2011 "gedreht" wurde, selbst spielte. In dem Film war es auch der Vater der heiligen Barbara, der eine Birke "anbrunste". Das ist die Erklärung dieses Running Gags, der am Anfang der Führung schon erwähnt wurde, und den Frau Franzi am Tag zuvor bei einer Vorstellung von König Lear auch erwähnte.
Nach dem Film ging es ins letzte Zimmer, mit der Aufschrift "Fluchtort" am Dachboden. Dort erklärte Frau Franzi, daß die meiste Kohle aus dem Karbon stammt und damit 270 Millionen, 2016 Jahre und 9 Monate alt sei. Die Kohle in Grünbach enstand aber in der Kreide, wo die Evolution schon recht fortgeschritten war, wie haufenweise Blütenbäume, aber auch riesige Insekten, wo, wie Frau Franzi meinte, es riesige Gelsen gab die einen mit einem einzigen Schluck ausgesaugt hätten.
Der Superkontinent Pangäa war zu dem Zeitpunkt bereits zerbrochen. Vor 80 Millionen Jahren, wo in Grünbach die Steinkohle enstand, entstanden in Südafrika Diamanten. Mit Staubfetzen, in die sie sich regelmäßig schneuzte, aber auch den Staub aufwischte, demonstrierte sie das Driften der Kontinentalplatten und die Auffaltung der Alpen.
Die Kumpel waren am Tag zwischen 700 m - 1700 m untertags gefahren. Noch bis vor 47 Jahren gab es in Grünbach 27 Wirtshäuser. Wobei die meisten Wohnungen aus nur 2 Zimmern bestanden und das Wirtshaus das Wohnzimmer ersetzten. Nach der Schließung des Bergwerkes wurden die Bergleute woanders abgeworben. Die waren danach nicht unbedingt arbeitlos.
Zum Schluß zeigte Frau Franzi uns noch das "Haustier", das Prunkstück der Sammlung: ein rieser Steinkohleblock. Dieser durfte dann sogar berührt werden. Aber erst nachdem Frau Franzi (nicht echt) einem in die Hand spuckte und mit den Fetzen, mit denen sie während der Führung Staub gewischt und sich darin (nicht echt) geschneuzt" hatte, die Hände auch zwischen den Fingern "gereinigt" hatte. Auch war klar: sobald man den Block berührt "spürt" man es. Danch kommt nichts mehr Besseres im Leben!
Mein Fazit:
Das war eine Museumsführung der anderen Art. Frau Franzi als Museumsführerin erklärt mit viel Witz und Genialität etwas über die Geschichte des Ortes und die Bedeutung des Bergbaus in der Region. Die Führung ist alles andere als trocken und es wird viel gelacht. Dabei ist es aber auch sehr informativ. Ich kann jedem nur die Führung empfehlen. Es ist in jedem Fall eine Bereicherung.
Wichtiger Link:
Das Bergbau Museum in Grünbach am Schneeberge
Das Bergbau-Museum in Grünbach am Schneeberge ...
... im alten Krummböck Wirtshaus ...
... präsentiert von "Frau Franzi"
Die Führung beginnt im "Barraum" wo Frau Franzi zunächst auf sehr lustige Weise erzählt, wie es damals zum Bergwerk in Grünbach kam.
Zwischen 1823/1825 (die Quellen sind hier etwas unterschiedlich) hatte der Koglbauer-Bauer ein Stück Kohle aufgeackert, daß er in eines der Wirtshäuser damals mitnahm und dort als Steinkohle erkannt wurde. Weil das Aufackern des Feldes mit dem Ochsen zustande kam, gab es noch kurz eine Auflistung der damaligen Zahlen, so unter anderem 46 Ochsen, die Anzahl an Schafen und Ziegen, und zuletzt 36 Kinder, die zum Zeitpunkt der Entdeckung der Steinkohle in Grünbach lebten.
Frau Franzi imitiert den Ochsen
Im Raum zwischen und Grünbach und Traisstetten brach ein "Kohlerausch" aus. Der Brennwert der Kohle lag bei 6380 k/cal. Die Eigentümer der Grubn wechselten im Laufe der Zeit sehr häufig. Einer der wichtigesten war aber Heinrich von Drasche, Neffe des Mannes der mit den ersten beiden Schächten begonnen hatte. Von Drasche war Ziegelbauer, hatte Ziegelwerke bis nach Böhmen der viel in Wien gebaut hat. Auch die Tram der Ringstraße wurde (angeblich) mit Steinkohle aus Grünbach gebaut.
Als das Werk 1965 aufgelassen wurde lag die tiefste Sohle bei 1147 m. Zum Vergleich wurde genannt, daß von einer "anbrunste" Birke in der Nähe (die Bedeutung wurde im Verlauf des Museumsbesuch "erklärt") bis zum Bürgermeister-Sitz es genau so weit ist, oder 776x die Größe der Frau Franzi wäre.
Dann gab es von Frau Franzi mehrere Begriffserklärungen, kombiniert mit einem kleinen Quiz an die Museumsbesucher. Jeder, der die richtige Antwort wußte, bekam ein kleines Plus für die Mitarbeit. Ab drei Plus gab es einen kleinen grünen Sticker auf die Stirn. So wurde z.B. gefragt, was der Unterschied zum Tagbau ist (=Untertagbau), oder der Schachtmund als Mundloch bezeichnet wird. Auch ist die richtige Bezeichnung der Berarbeiter Bergleute, oder die "Arbeitsorte" Schacht und Stollen.
Dann erwähnte sie noch die "Förderschale" mit der Mannschaft und Material befördert wurde. Bei der Mannschaft war es 10 m/s, bei Material 12 m /s. Letzteres macht 36 km/h aus, was schneller war, als der damalige Lift beim Donauturm.
Ein "Pickerl" für die Mitarbeit
Danach wurden die verschiedenen Arten der Stollen erklärt. So verläuft ein normaler Stollen von links nach rechts und nach außen. Ein sogenannter Schrägstollen verläuft genauso, nur eben schräg verlaufend. Für die Entwässerung wurden ähnliche Schrägstollen gebaut. Der Blindschacht hingegen geht nur hinunter, aber nicht nach außen.
Auch erklärte Frau Franzi, daß die Bergleute für verschiedene Sachen eigene Bezeichnungen hatten, wie z.B. "Sechs Tanten" mit dem ein Werkzeug gemeint war.
Als nächstes erklärte sie die Initiation mit der man in den Bergmannsstand "sprang": der Ledersprung.
Dazu wurde ein sogenanntes "Arschleder" verwendet, von Bergleuten während der Arbeit fürs Rutschen durch den Stollen genutzt, daß über einem Bierfaß, manchmal auch über einen Sessel, gespannt wurde. Der "Aufnahmeritusleiter" fragte den, der einspringen wollte, nach seinem Namen, seinem Wohnort, seinem Stand und seinen Leib- & Lebesspruch. Nachdem der "Einspringende" das beantwortet hatte, trank er ein Glas Bier und sprang über das Arschleder in den Bergmannsstand.
Das Arschleder
Dann erklärte sie die Bedeutung der Marken. Jeder Bergmann hatte eine Metallmarke mit einer Nummer. Diese bekam man zu Schichtbeginn. Danach mußte man diese beim Obersteiger abgeben. Nach der Arbeit Untertag holte man sich die Marke beim Obersteiger wieder ab und gab sie beim Eingang wieder ab. Das war eine doppelte Absicherung. Erstens, daß man zur Schicht erschien, und zweitens, daß man auch wirklich arbeiten ging und nicht die Schicht verbummelte. Dem Obersteiger durfte keine Marke am Ende der Schicht übrig bleiben. War dies der Fall, war klar, daß etwas passiert sen mußte und man begann nach dem vermissten Bergmann zu suchen.
Frau Franzi mit den Marke
Dann erzählte Frau Franzi von der Kaue, einer Art "Badeanstalt", wo man sich nach der Arbeit wusch und zwischen Normal- & Arbeitskleidung wechselte. Dabei zeigte sich auch einen Püngelhaken auf dem die Kumpel das Gewand, aber auch ihre Schuhe aufhängten.
Frau Franzi mit einem Püngelhaken
Auch erzählte Frau Franzi, daß die Bergleute ihr eigenes Lied hatten ("Glück Auf, Glück Auf! Der Steiger kommt"). Frau Franzi begann es zu singen. Alle Besucher kannten aber das Lied und so stimmten nach und nach alle Teilnehmer in das Lied ein und sangen es alle gemeinsam.
Die Steinkohle stammt zwar aus der Kreide, aber das Bergsgestein ist teilweise hangendes Triasgestein. Dabei war manchmal eine Wasserschleife nötig, also naßbohren. Denn beim normalen Bohren bekamen die Bergleute eine Staublunge.
Danach wurde noch ein bißchen was gezeigt, was die Bergleute als Arbeitskleidung nutzen. Z.B. unter den Gummistiefeln sogenannte "Gummifetzen", heute würde man Socken tragen, oder beispielsweise ein Teufelshaut.
Die "7 Bergzwerge" werden immer mit Zipfelmützen dargestellt. In früheren Bergbauzeiten hatte man keinen Helm, deswegen benutze man Zipfelmützen, die mit Stroh ausgestopft waren, um den Kopf zu schützen. In Grünbach hatte man keine Zipfelmützen sondern bereits einen Lederhelm, später dann einen Plastikhelm. Gegen das Scheuern, vor allem beim Lederhelm, nutze man einen Seidenstrumpf, den man sich über den Kopf zog.
Grünbach war auch das erste Bergwerk, wo die Kumpel Kopflampen mit Akku trugen. Das Gewicht des Akkus lag bei 3,5 kg. Später war die Ummantelung des Akkus aus Plastik, was ihn zwar einen halben Kilo leichter machte, wenn man aber ausrutschte und auf den Akku fiel, barst dieser und man lag in Batteriesäure, was 6 Wochen Krankenstand bedeutete.
Eine Regel war auch, daß man immer zu zweit unterwegs war. Daraufhin begaben sich die Museumsbesucher in den nächsten Raum, jeweils zu zweit, um eine Zimmerung zu imitieren. Das wurde als Stempel und Kappen bezeichnet. Dabei stellte man sich in einer Reihe gegenüber auf (Stempel). Ein Teil der Teilnehmer hätten die Kappen sein sollen, aber irgendwie sollte keiner von den Leuten, die in der Reihe standen über den Kopf gestemmt werden.
Frau Franzi erklärte, daß die Zimmerung 50 m pro Tag voranging. Die Polygonzimmerung war nötig, wenn Druck vom Berg kam. Dabei wurde bei der Zimmerung nachrechts oben und links oben mit Material gestemmt. Die Teilnehmer, die in der Reihe standen, demonstrierten sich das gegenseitig, indem sie sich leicht nach vorne beugen sollten.
Zuletzt erzählte Frau Franzi noch, daß die Bergleute Sprenggelatine in die Bohrlöcher legten. Während die Vormittagsschicht sprengte, räumte die Nachmittagsschicht die Steine auf. Diese beiden Schichten haben getauscht. Die der Nachtschicht haben nicht getauscht.
Die Besucher bilden die Polygonzimmerung nach
Im"barbara-Stüberl" konnten alle Besucher einen selbstgemachten Film sehen. Der hieß "Schbuansuche - Geschichte der heiligen Barbara". Die heilige Barbara ist unter anderem die Schutzpatronin für die Bergleute. Der Film erzählt über das Leben der heiligen Barbara. Sie wurde vom eigenen Vater wegen ihres christlichen Glaubens, zunächst in einem Turm eingesperrt und später, nach ihrer Flucht aus diesem, von ihm ermordet. Wie auch der Rest der Führung, war der Film sehr komikhaft, zumal Frau Franzi alle Rollen, von der Erzählerin, zum Vater bishin zur heiligen Barbara, in diesem Film, der bereits 2011 "gedreht" wurde, selbst spielte. In dem Film war es auch der Vater der heiligen Barbara, der eine Birke "anbrunste". Das ist die Erklärung dieses Running Gags, der am Anfang der Führung schon erwähnt wurde, und den Frau Franzi am Tag zuvor bei einer Vorstellung von König Lear auch erwähnte.
Das "Barbara-Stüberl" und der "Fluchtort"
Nach dem Film ging es ins letzte Zimmer, mit der Aufschrift "Fluchtort" am Dachboden. Dort erklärte Frau Franzi, daß die meiste Kohle aus dem Karbon stammt und damit 270 Millionen, 2016 Jahre und 9 Monate alt sei. Die Kohle in Grünbach enstand aber in der Kreide, wo die Evolution schon recht fortgeschritten war, wie haufenweise Blütenbäume, aber auch riesige Insekten, wo, wie Frau Franzi meinte, es riesige Gelsen gab die einen mit einem einzigen Schluck ausgesaugt hätten.
Eine der vielen Vitrinen mit Fossilien-Funden
"Fossilien-Mauer"
Der Superkontinent Pangäa war zu dem Zeitpunkt bereits zerbrochen. Vor 80 Millionen Jahren, wo in Grünbach die Steinkohle enstand, entstanden in Südafrika Diamanten. Mit Staubfetzen, in die sie sich regelmäßig schneuzte, aber auch den Staub aufwischte, demonstrierte sie das Driften der Kontinentalplatten und die Auffaltung der Alpen.
Frau Franzi demonstriert anhand ihres Kopfes, wo Südafrika liegt, ...
... wo Grünbach liegt ...
... und mit den "Fetzen" die Auffaltung der Alpen
Die Kumpel waren am Tag zwischen 700 m - 1700 m untertags gefahren. Noch bis vor 47 Jahren gab es in Grünbach 27 Wirtshäuser. Wobei die meisten Wohnungen aus nur 2 Zimmern bestanden und das Wirtshaus das Wohnzimmer ersetzten. Nach der Schließung des Bergwerkes wurden die Bergleute woanders abgeworben. Die waren danach nicht unbedingt arbeitlos.
Zum Schluß zeigte Frau Franzi uns noch das "Haustier", das Prunkstück der Sammlung: ein rieser Steinkohleblock. Dieser durfte dann sogar berührt werden. Aber erst nachdem Frau Franzi (nicht echt) einem in die Hand spuckte und mit den Fetzen, mit denen sie während der Führung Staub gewischt und sich darin (nicht echt) geschneuzt" hatte, die Hände auch zwischen den Fingern "gereinigt" hatte. Auch war klar: sobald man den Block berührt "spürt" man es. Danch kommt nichts mehr Besseres im Leben!
Das Prunkstück: ...
... eine riesige Steinkohle!
Anfassen ...
... erlaubt!
Aber erst Hände putzen!
"Spürst Du es?"
Mein Fazit:
Das war eine Museumsführung der anderen Art. Frau Franzi als Museumsführerin erklärt mit viel Witz und Genialität etwas über die Geschichte des Ortes und die Bedeutung des Bergbaus in der Region. Die Führung ist alles andere als trocken und es wird viel gelacht. Dabei ist es aber auch sehr informativ. Ich kann jedem nur die Führung empfehlen. Es ist in jedem Fall eine Bereicherung.
Wichtiger Link:
Das Bergbau Museum in Grünbach am Schneeberge






















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