Museumsbesuch



Es ist jetzt 2 Wochen her, daß meine Freundin aus München zu Besuch war. Stadturlaub in Wien. Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Anfahrt (ein Baum war auf den Zug gefallen und sie stieg insgesamt 5x um, bis sie endlich in Wien war), konnten wir wichtige Sehenswürdigkeiten in Wien besuchen. Etwas was jemand der in Wien wont, ja sonst (so gut wie) nie macht.

So waren wir am Freitag (28.05.2017) natürlich auch im Naturhistorischen Museum. Gleich beim Eingang sahen wir beide die Aufschrift zur 'Mineralogischen Sammlung', beschlossen aber diese nicht aufzusuchen. Zumal meine Freundin schon bei einem anderen Museumsbesuch in einer anderen Stadt die mineralogische Sammlung gesehen.

Also suchten wir den Bereich meiner Spezialgebiete auf: die Paläontologie, die Archäologie und die Anthropologie.


Die paläontologische Abteilung:


Da ich jahrelang und schon al kleines Kind diese 3 Bereiche immer gerne besucht habe, ist die größte Umstellung für mich immer noch der umgestaltete Sauriersaal. Obwohl der sich bewegende Allosaurus natürlich ein Highlight ist.






Auch vor dem Sauriersaal ist die Anordnung der Tierskelette etwas anders als früher. So gibt esunter anderem eine ganze Informationswand über die griechischen Inselelefanten, die wegen der Lebensweise auf den Insel geschrumpft sind, deren Schädel jene von Zyklopen/Kyklopen gehalten wurden. Aus der Wand herausragend, ein kleiner Elefant, aber nur zur Hälfte konstruiert, nämlich die vordere Hälfte.


Aber immerhin wurde die alte Malerei eines Höhlenlöwen entfernt. Es sollte einen solchen zu der damaligen Zeit zeigen. Es war ein Löwe, der im Schnee watete, der gerade aus einer Höhle gekommen war. Das Problem bei der Darstellung war aber, daß dieser Löwe eine Mähne hatte, wie es bei heutigen Löwen bekannt ist. Lange hat die Wissenschaft darüber diskutiert, ob die europäischen männlichen Löwen eine Mähne hatten. Zumal es auf vielen Höhlenmalereien so aussah. Da wurde dann behauptet, es seien kene Löwen sondern Tiger. Die "Großkatzen" Höhlenalereien hatten keine Mähnen, aber auch keine Streifen. Doch bei genauerem Hinsehen konnte man erkennen, daß bei einigen der abgebildeten Löwen eine Schwanzquaste zu sehen war. Etwas, was nur bei den Männchen vorkommt.

Und nachdem diese langjährige Streitthema endlich beendet wurde, wurde anscheinend auch die falsche Darstellung entfernt. Obwohl es die Darstellung eines Höhlenlöwen ohne (markante) Mähne bereits 1920 von Heinrich Harder gibt. Ich kann mich nicht erinnern, dieses Bild im Museum je gesehen zu haben.
Dafür gibt es in einem Glaskasten eine Säbelzahnkatze, mit den markanten langen Eckzähnen, und  über dem Glaskasten sieht man ausgestopfte Großkatzen, mit gepunktetem Fell, aufgestellt. Diese erinnern an die bereits bekannten Rekonstruktionen von Smilodons (Säbelzahnkatzen).


Die archäologische Abteilung:


Die archäologische Sammlung hat sich nicht großaertig verändert. Was aber nur bei genauerem Hinsehen aufgefallen ist, ist daß unter den Vitrinen, die Kästen mit ihren Läden, die vermutlich früher mal zur Utensilienaufbewahrung dienten, manchmalausgeschnitten war, und ausgestopfte Tiere, die zu der Zeit als Haustiere gehalten wurden, dargestellt: in dem Fall war es das Haushuhn mit Jungen und die Hauskatze.



Schädel mit 'Utensilien' der Bronzezeit


Die anthropologische Abteilung:

Der anthropologische Teil wurde stark ausgebaut. Bei den verschiedenen "Epochen" die man durchstreift, sind viele Informationen auf den Tafeln vermerkt. Neu ist, daß bei vielen Informationstafeln kleine Zeichnungen das ganze etwas lustiger gestalten.

Ein Beispiel: Lucy, der Star. Als Lucy, vermutlich ein Australopithecus afarensis, 1974 gefunden wurde, war es eine Sensation, da es bis dato das besterhaltene Skelett eines Australopithecus war. Auch wenn man bis heute scon besser erhaltene Skelette gefunden hat, Lucy kennt man einfach, und wird auch immer noch am häufigsten genannt. Die Zeichung neben der Beschreibung von Lucy ist ein Australopithecus, der sich über seinen Stern freut, der wie einer vom 'Walk of Fame' in Los 
Angeles erinnert.


Lucy, der Star


Toll fand ich unter amderem, die Fußspuren von Laetoli. Aber nicht nur, daß sie ausgestellt waren. Man hat dort einen kleinen Bereich als Weg hergerichtet, und einen kleinen Fernseher hingestellt. Wenn man im richtigen Moment geht, wandert man auf dem Fernseher hinter den Australopithecus hinterher. Da man das selber aber nicht sehen kann, der Fernseher ist in die Gegenrichtung ausgerichtet, braucht man jemanden, der das ganze abfotografiert oder filmt, wie man auf den Fußspuren von Laetoli wandert. Was meine Freundin und ich gegenseitig taten.


Rekonstruktion der Fußspuren von Laetoli


Bei Rekonstruktionen von Menschen aus der Urzeit war zwar gekennzeichnet, daß die Objekte nicht zu berühren seien, waren nur durch eine Kordel von den Besuchern abgetrennt, aber irgendwie kamen die Leute den Rekontrunktionen doch immer wieder zu nahe. Ständig ging der Alarm los. Das dürfte aber Usus sein, oder man ist der Meinung, wenn der Alarm losgeht, reicht das. Denn es ist nie jemand gekommen, der nachgeschaut hätte, warum der Alarm losgeht. Vielleicht wäre eine Begrenzungslinie, wie bei den U-Bahn-Stationen hilfreich.


Das Highlight dort, ist ein Tisch, auf dem ein Skelett projeziert ist. Mit verschiedenen Gerätschaften, ebenfalls auf dem Tisch projeziert und die man über den ganzen Tisch ziehen kann, kann man alles über das Skellt erfahren: Das Geschlecht, Größe, das Alter, die Nahrung, ob Homo sapiens oder Neandertaler, etc. Bei vielen Bereichen hat man Vergleichsbilder, z.B. der Knochenaufbau. Zunächst leuchtet der entsprechende Teil beim Skelett auf, wenn man mit der richtigen Gerätschaft darüber leuchtet. Dann geht ein Pop-Up-Fenster auf, es wird gezeigt, wie es beim Skelett auschaut unddie Antwortmöglichkeiten. Als Beipiel des Knochenaufbaus: 3 verschiedene Stadien, welches schaut dem des Skeletts ähnlich, um z.B. das Alter zu definieren. Mit dem elektronischen Millimeterpapier konnte man die Größe bestimmen, usw.

Lustig war, das neben dem rechten Bein des Skeletts eine Töpferschale aufschien, wenn man mit einer Gerätschaft über die Fläche ging. Damit konnte man bestimmen, daß es ein Homo sapiens ist.
Viele Leute haben die Gerätschaften ausprobiert, aber nie alles beim Skelett bestimmt. Das was aber am meisten Kopfzerbrechen machte, war die Todesursache. Die fand niemand. Daraufhin hatten meine Freundin und mich der Ehrgeuz gepackt. Mit jeder Gerätschaft zogen wir über die ganze Fläche des Tisches hin und her, und wollten die Todesursache herausfinden. Bei der Wirbeslsäule fand ich es auch. Das Individuum starb durch eine Pfeilspitze, die an der Wirbelsäule vorbei in den Bauchraum drang. Bei Verletzung mi Pfeilspitze muß ich immer an Ötzi denken, der die Pfeilspitze in der linken Schulter hat. So hatten wir als einzige Besucher die Todesursache geklärt!


Zum Schluß hatten wir noch die "astrophysikalische" Abteilung ein wenig durchstöbert. Danach waren wir aber schon ziemlich geschafft und hungrig, weshalb wir den Museumsbesuch beendeten.

Für das Museum muß man sich einfach mehrere Tage Zeit nehmen, will man wrklich alles sehen.

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