Keltische Krimis


Der österreichische Krimi scheint die Archäologie für sich gefunden zu haben. Zumindest was die Keltenzeit betrifft. Das könnte daran liegen, das mit den Begriffen „Archäologie“ und „Kelten“ noch die meisten Leute was anfangen können. Und es klingt interessant, auch wenn man sich nicht so gut damit auskennt.

Schnell ermittelt:
Letzte Woche (24.04.2017) kam das „Keltenthema“ bei der Serie „Schnell ermittelt“ vor. Die Folge konnte ich leider nicht komplett sehen.
Dort wurde der Archäologe Dr. Knut Holm ermordet. In der Folge wurde die Archäologie eher nur gestreift. Ein wichtiges Thema war hier, daß die Ausgrabungsstätte von mehreren Leuten begehrt wurde. Zumal ein großer Schatz dort vermutet wurde. So wurde von der gegnerischen Seite auch viel versucht, die Ausgrabungen zu behindern., wie z.B. Nägel an der Ausgrabungsstelle verteilt, um den Metalldetektor unbrauchbar zu machen. Vielleicht war es einfach nur ein Billigteil, da man normalerweise bei einem Metalldetektor eingeben kann, nach was für einem Metall man sucht. Da am Ende der Folge ein großer Goldreif gefunden wurde, wirkt es merkwürdig, daß ausgerechnet Nägel dies verhindert haben. Denn gefunden wird der Reif, als die Dame, die die Leitung der Ausgrabungsstätte geerbt hat, und die einzige Person neben dem Ermordeten ist, die sich dort aufgehalten hat, genauer bei dem einen Loch hineinschaut, weil sie plötzlich sieht, daß ein Ende des Reifs plötzlich heraus ragt. Sie kann dieses Ende also plötzlich sehen, was ihr die ganze Zeit nicht aufgefallen ist, und dann ist es gleich ein großes Fundstück, was der Metalldetektor nicht hat finden können.

Interessant ist unter anderem, daß die keltischen Sternzeichen bzw. der keltische Baumkreis  kurz erwähnt werden. Auch wenn es nicht zur Fallaufklärung beiträgt, erfährt man hier, daß Chefinspektorin Angelika Schnell bei den Kelten eine Pappel als Baumkreiszeichen hat.

Und dann bekommt man noch einen kleinen Einblick auf keltischen Neopaganismus, als sich der eine von der gegnerischen Seite ‚unerlaubt‘ auf der Ausgrabungsstätte aufhält. Laut Wikipedia gibt es dafür zumindest vier Hauptrichtungen (Stand vom 03.05.2017).


Soko Donau:
Diese Woche (02.05.2017) kam das Thema der Kelten auch bei „Soko Donau“ vor. Das Opfer war Prof. Anton Jaroslav. Hier hatte man das Gefühl, daß weitaus mehr auf den Archäologie-Bereich eingegangen wurde. Zumindest gab es schon mal mehr Leute an der Ausgrabungsstelle bei einem Keltengrab in Schärding in Oberösterreich. Es wurde unter anderem die Medienpräsenz thematisiert, wobei hierfür der Mann mit Indiana-Jones-Hut fast ein bißchen klischeehaft wirkte. Dabei erwähnt er auch, daß er viel herum kommt. Unter anderem nach Norwegen oder Marokko.

Befremdlich hat auf mich jedoch eher der portable / transportfähige 3D-Drucker gewirkt. Daß Scans der Umgebung gemacht werden, um zu sehen, wie alle Bereiche in der Umgebung zusammenhängen ist bekannt. Das bekannteste Bespiel hierfür ist Stonehenge, welches mit vielen anderen Fundstätten in Zusammenhang steht. Als ich bei (archäologischen) Grabungen dabei war, haben wir gezeichnet. Millimeterpapier ist da sehr beliebt. Und obwohl diese Umgebungsscans, wie vorhin bei Stonehenge genannt, durchaus üblich sind, bleibt dennoch die Frage, was das Ausdrucken per portablen 3D-Drucker damit zu tun hat.

Weiters war das Opfer sehr berühmt und galt als der Experte der Latènezeit (eine Epoche der Eisenzeit). So wurde im weiteren Verlauf der Folge auch ein großes Keramikgefäß zusammen geklebt. Interessant war hierbei, daß alle Stücke erhalten waren, es keine Löcher gab, oder daß etwas fehlte. So etwas kann schon vorkommen, aber wer sich mit archäologischen Ausgrabungen auskennt, weiß, daß man sehr oft nur kleine Stücke findet, und man puzzleartig alles zusammensuchen muß, was wohin passen könnte.

Während der Befragung der Mitarbeiter, kommt heraus, daß der Herr Professor sich intellektuell für was Besseres hielt, und das auch jeder zu spüren bekam. Dabei wird auch erwähnt, daß er Streit mit mit AMSlern hatte: Mitarbeiter, die vom AMS geschickt werden.
In Niederösterreich z.B. gibt es die Einrichtung ASINÖ. Sie hilft mit ihren verschiedenen Tätigkeitsfeldern, Langzeit-Arbeitslosen wieder ein wenig ins Berufsleben zu finden. So hat diese Passage in der Folge einen reellen Hintergrund. Allerdings wurde für die Folge einer dieser AMSler als Mordverdächtiger unter die Lupe genommen. Der war es am Ende aber auch nicht.

Eine weitere Sache die recht befremdlich wirkt, ist, daß es sich bei dem Opfer um einen Archäologen handelt. In der ersten Szene, in der man ihn sieht, und auch als er ermordet wird, hält er einen menschlichen Schädel on der Hand und versucht dessen Todesursache (riesiges Loch auf der rechten Seite) noch genauer zu bestimmen. Sprich, er meinte, sie (die gesellschaftlich hochpositionierte Frau, die dazu viele Grabbeigaben bekommen hat) hat den Schlag nicht kommen gesehen. Was auch ein Hinweis auf die Todesursache von Prof. Jaroslav ist, da auch er hinterrücks einen Schlag bekommt.
Was jetzt so befremdlich an der Sache ist? Wieso untersucht ein Archäologe einen menschlichen Schädel? Zur Bestimmung von Geschlecht, Alter, etc. werden Anthropologen hinzugezogen. Genauso wie für die Bestimmung von Tierknochen Paläontologen/Archäozoologen hinzugezogen werden.

Auch später wird von einem der Ermittler erwähnt, „daß Archäologen hominide-DNA analysieren können, die fast eine halbe Million Jahre alt sind“. Das machen Archäologen ganz sicherlich nicht. Denn DNA/DNS wird von Genetikern analysiert. Eine Spezialisierung unter den Genetikern, ist die Humangenetik. Meistens ist die Bezeichnung von den Genetikern, die diese DNA/DNS-Analyse machen Paläogenetiker, aber sicher nicht Archäologe.


Fazit:
Was bei beiden Fällen auffällt: Sie werden anfangs als Ritualmorde der Kelten gedeutet. Diese sind natürlich nur die „Tarnung“ der Mörder, denn das Tatmotiv ist in beiden Fällen der Neid. Beide Fälle sind recht interessant, und man kriegt einen kleinen Einblick, und für manche Bereiche wurde für die richtige Darstellung recherchiert. Aber so wie echte Ermittler sich keine CSI-Serien anschauen können, weil ihnen am laufenden Band Fehler auffallen, darf man bei den Folgen nicht zu große archäologische Ausgrabung betreiben, da sich auch im österreichischen Krimi, der Fehlerteufel eingeschlichen hat.

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