Edles Pferdeblut
Ich habe heute (Freitag, 30. Juni 2016) einen Artikel in der Presse gelesen, wo es um die Analyse des Y-Chromosoms von Pferden ging, und welche Ergebnisse daraus resultieren.
Der Artikel beginnt damit, eine kleine Vorgeschichte, drastisch gekürzt, zusammenzufassen. Das Urpferdchen, daß vor 55 Millionen Jahren in den Regenwäldern von Nordamerika entstand, dabei nicht größer als eine Katze war und sich von Früchten ernährte, bis es sich vor 23 Millionen Jahren wegen der Abkühlung auf Gras umstellte. Es wurde größer und es entstanden verschiedenste Arten, die aber alle wieder verschwanden. Nur die übrig gebliebene Form des Equus konnte in Euasien überleben und wurde dort domestiziert. Dabei ist nicht zu vergessen, wie es im Artikel auch erwähnt wird, daß auch Esel und Zebra zur Gattung Equus gehören. Diese beiden werden im Artikel aber nicht näher behandelt.
Hier kommt ein paläontologischer/archäozoologischer Einwurf, daß vieles auf die Domestizierung in Kasachstan vor 5500 Jahren spricht, obwohl im gleichen Satz auch steht, daß man nicht genau weiß, wann und wo diese stattfand. Die Nutzung hingegen ist klar: Fleisch- und Mlichlieferant sowie als Reittier. Letzteres zeigt sich durch Abriebspuren durch Halfter auf gefundenen Knochen.
Später kam es nach Westeuropa wo es schließlich zum Vollblut verdelt wurde.
Wie dese Veredelung stattfand war bisher nicht klar. Anhand der mitrochondrialen DNS, welche ja nur durch Mütter vererbt wird, wußte man daß Stuten immer wieder neue Genvarianten inne hatten. Beim Y-Chromosom der Hengste war dies bisher schwierig festzustellen, da das heutige Y-Chromosom eine dermaßen geringe Variationsbreite hat, daß es in der Analyse nicht miteinbeziehen konnte.
Eine Gruppe der VetMed Wien um Barbara Wallner hat mit verfeinerten Methoden einen neuen Anlauf gewagt. Es wurden Y-Chromosomen von 21 europäischen Unterarten analysiert und diese mit denen von Esel und dem wildlebenden Przewalski-Pferd verglichen.
Das Ergebnis war, daß sich die Pferde Europas in zwei Gruppen teilen.
Eine Gruppe hat sich im Norden gehalten: Shelandpony, Islandpferd, Norwegisches Fjordpferd. Alles anderen Unterarten haben Blut aus zwei Regionen aus dem Orient: seit ca. 700 Jahrenwurden immer wieder Araber, von der Arabischen Halbinsel, und Turmenen, aus der dortigen Steppe, eingekreuzt. Das bewirkte, daß vom "alten" Y-Chromosom kaum noch was übrig geblieben ist (Current Biology 29. 6.).
Frau Wallner sagt aber auch, daß die Sequenzierungsdaten mit jenen Aufzeichnungen aus Zuchtbüchern, die bei manchen Tieren bis ins 17. Jahrundert zurückreichen, in den meisten Fällen übereinstimmt. Sieht konkludiert, daß ihre Methoden eine "zusätzliche Abscherung" beim Erwerb des edlen und teuren Blutes sei.
Immer wieder wurde in verschiedenen wissenschaftlichen Kreisen bemängelt, daß die mitrochondriale DNS nicht ausreicht um die Stammbäume zu rekonstruieren. Zwar konnte hier mit einer verfeinerten Methode dies mit dem Y-Chromosom von Pferden dem entgegen getreten werden, jedoch wurden hier lebende Exemplare miteinander verglichen, die mit lebenden Exemplaren verwandt sind. Es ist fraglich, ob so etwas auch beim Menschen klappen würde, wo sich schon immer die Frage stellte: Kann man so eine Methode entwickeln, um festzustellen, ob der Neandertaler sich nun wirklich mit dem Homo sapiens gekreutz hat. Oder auch nicht. Laut mitrochonrailer DNS war das nicht der Fall. Da sie nur durch Mütter vererbt wird, gab es daher die Theorie, daß nur die Väter Neandertaler waren, weshalb sich das in der mitochrondrialen DNS nicht zeigt.
Da ich mich bei meinem Studium nicht nur mit Paläontolgie sondern Anthropologie beschäftige kann ich abschließend nur noch sagen:
Beim europäischen Pferd hingegen konnte man nun auch die männlichen Exemplare für die genauere Zeichnung des Stammbaumes heranziehen. Ob das irgendwann beim Menschen gehen wird, vielleicht mit noch mehr verfeinerten Methoden wird sich zeigen. Doch heißt hier schon lange: Beim Menschen ist es kein Stammbaum. Es ist ein Busch.
Der Artikel beginnt damit, eine kleine Vorgeschichte, drastisch gekürzt, zusammenzufassen. Das Urpferdchen, daß vor 55 Millionen Jahren in den Regenwäldern von Nordamerika entstand, dabei nicht größer als eine Katze war und sich von Früchten ernährte, bis es sich vor 23 Millionen Jahren wegen der Abkühlung auf Gras umstellte. Es wurde größer und es entstanden verschiedenste Arten, die aber alle wieder verschwanden. Nur die übrig gebliebene Form des Equus konnte in Euasien überleben und wurde dort domestiziert. Dabei ist nicht zu vergessen, wie es im Artikel auch erwähnt wird, daß auch Esel und Zebra zur Gattung Equus gehören. Diese beiden werden im Artikel aber nicht näher behandelt.
Hier kommt ein paläontologischer/archäozoologischer Einwurf, daß vieles auf die Domestizierung in Kasachstan vor 5500 Jahren spricht, obwohl im gleichen Satz auch steht, daß man nicht genau weiß, wann und wo diese stattfand. Die Nutzung hingegen ist klar: Fleisch- und Mlichlieferant sowie als Reittier. Letzteres zeigt sich durch Abriebspuren durch Halfter auf gefundenen Knochen.
Später kam es nach Westeuropa wo es schließlich zum Vollblut verdelt wurde.
Wie dese Veredelung stattfand war bisher nicht klar. Anhand der mitrochondrialen DNS, welche ja nur durch Mütter vererbt wird, wußte man daß Stuten immer wieder neue Genvarianten inne hatten. Beim Y-Chromosom der Hengste war dies bisher schwierig festzustellen, da das heutige Y-Chromosom eine dermaßen geringe Variationsbreite hat, daß es in der Analyse nicht miteinbeziehen konnte.
Eine Gruppe der VetMed Wien um Barbara Wallner hat mit verfeinerten Methoden einen neuen Anlauf gewagt. Es wurden Y-Chromosomen von 21 europäischen Unterarten analysiert und diese mit denen von Esel und dem wildlebenden Przewalski-Pferd verglichen.
Das Ergebnis war, daß sich die Pferde Europas in zwei Gruppen teilen.
Eine Gruppe hat sich im Norden gehalten: Shelandpony, Islandpferd, Norwegisches Fjordpferd. Alles anderen Unterarten haben Blut aus zwei Regionen aus dem Orient: seit ca. 700 Jahrenwurden immer wieder Araber, von der Arabischen Halbinsel, und Turmenen, aus der dortigen Steppe, eingekreuzt. Das bewirkte, daß vom "alten" Y-Chromosom kaum noch was übrig geblieben ist (Current Biology 29. 6.).
Frau Wallner sagt aber auch, daß die Sequenzierungsdaten mit jenen Aufzeichnungen aus Zuchtbüchern, die bei manchen Tieren bis ins 17. Jahrundert zurückreichen, in den meisten Fällen übereinstimmt. Sieht konkludiert, daß ihre Methoden eine "zusätzliche Abscherung" beim Erwerb des edlen und teuren Blutes sei.
Der Presse-Artikel von Freitag, dem 30.06.2017
Immer wieder wurde in verschiedenen wissenschaftlichen Kreisen bemängelt, daß die mitrochondriale DNS nicht ausreicht um die Stammbäume zu rekonstruieren. Zwar konnte hier mit einer verfeinerten Methode dies mit dem Y-Chromosom von Pferden dem entgegen getreten werden, jedoch wurden hier lebende Exemplare miteinander verglichen, die mit lebenden Exemplaren verwandt sind. Es ist fraglich, ob so etwas auch beim Menschen klappen würde, wo sich schon immer die Frage stellte: Kann man so eine Methode entwickeln, um festzustellen, ob der Neandertaler sich nun wirklich mit dem Homo sapiens gekreutz hat. Oder auch nicht. Laut mitrochonrailer DNS war das nicht der Fall. Da sie nur durch Mütter vererbt wird, gab es daher die Theorie, daß nur die Väter Neandertaler waren, weshalb sich das in der mitochrondrialen DNS nicht zeigt.
Da ich mich bei meinem Studium nicht nur mit Paläontolgie sondern Anthropologie beschäftige kann ich abschließend nur noch sagen:
Beim europäischen Pferd hingegen konnte man nun auch die männlichen Exemplare für die genauere Zeichnung des Stammbaumes heranziehen. Ob das irgendwann beim Menschen gehen wird, vielleicht mit noch mehr verfeinerten Methoden wird sich zeigen. Doch heißt hier schon lange: Beim Menschen ist es kein Stammbaum. Es ist ein Busch.



Kommentare
Kommentar veröffentlichen