Wie alt ist der Homo sapiens?

Es gab ein Problem mit dem Hochladen. Hier nun mein Blog-eintrag, der schon letzten Freitag, am 14.07.2017, hätte online sein sollen.

 Diese Meldung wurde nicht nur im Internet, sondern auch in mehreren Zeitungen veröffentlicht. Je nach Zeitung fiel der Artikel größer oder kleiner aus, aber sie berichteten darüber. Die Rede ist von den ältesten Funden des Homo sapiens

Es gilt schon als Sensation, daß mit der Datierung von 300.000 Jahren die Entstehung des Homo sapiens 'rückdatiert' wurde. Bisher war es nicht ganz klar, wann sich der moderne Mensch nun entwickelt hatte. Forscher vermuteten etwas zwischen 150.000 und 200.000 Jahren. Die Funde aus Omo Kibish in Äthiopien in Ostafrika, galten als älteste Funde mit 195.000 Jahren. Ein Fund aus Florisbad in Südafrika mit 260.000 Jahren ist noch älter, jedoch ist dieser Fund umstritten.

Bereits 1961 hatte man in Marrokko Fossilien gefunden. Man datierte sie jedoch auf 40.000 Jahre und, weil noch die These bestand, der Homo sapiens stamme direkt vom Neandertaler ab, wurden sie als "Afrikanische Neandertaler" bezeichnet. Bereits in den 70er Jahren kamen jedoch Zweifel auf, weil die Knochen Züge von Homo sapiens aufzeigten, vor allem der Kiefer eines Kindes mit seinem Wachstumsmuster der Zähne.

Nun hat man in Jebel Irhoud Marrokko, etwa 100 Kilometer nordwestlich von Marrakesch, neue Fossilien entdeckt. Forscher fanden insgesamt 22 versteinerte Überreste von Knochen, Schädeln, Kiefern und Zähnen, die von mindestens fünf Menschen stammen. Insbesondere die Schädelfragmente untersuchten der  Forschungsleiter Jean-Jacques Hublin und seine Kollegen akribisch mit moderner Computertomografie (micro-CT) und statistischen Analysen.

Für die Datierung wurde besonders die Methode der Thermolumineszenz gelobt. Denn mit ihr konnte man die ebenfalls gefunden Steinwerkzeuge datieren, die in diesem Falle erhitzt worden waren. Auch die gefundenen Tierknochen von Gazellen halfen bei der Datierung. Vor allem anhand der Steinwerkzeuge konnte man aber das Alter auf 315.000 Jahre (plus/minus 34.000 Jahre) datieren. Im Artikel der Presse wird außerdem erwähnt, daß auch ein Zahn (mit einer anderen Methode) datiert werden konnte, und hier das Alter auf 286.000 plus/minus 32.0000 Jahregeschätzt wird. Leider wird im Artikel nicht gesagt, um was für eine Methode es sich hierbei handelt, noch von wem genau der datierte Zahn stammt. z.B. ob der Zahn lose war, ob er eh locker war und daher entnommen werden konnte, etc.

Im Artikel der Tagesschau (siehe Link) werden die Erkenntnisse folgendermaßen beschrieben:
Die Erkenntnisse gehen weit über die zeitliche Einordnung hinaus: Das Gesicht des frühen Homo sapiens war demnach damals schon voll ausgeprägt. Dagegen ist der Hinterkopf deutlich länger und ähnelt eher älteren Vertretern der Gattung Homo.

Im Artikel der Presse ist man zurückhaltender:
Allerdings waren diese Ahnen ganz modern auch wieder nicht: Grazil war nur das GEsicht - kleine Augenwülste, kleine Kiefer -, das Schädeldach hingegen war noch hochgewölbt.

Forscher des Natural History Museum in London schreiben in den Kommentaren des Nature, in dem der Fund beschrieben wurde, daß sie mit den Erkenntnissen von Hublin übereinstimmen, es aber (noch) zu wenige Fossilien gebe um nachzuweisen, daß der moderne Mensch sich vor über 250.000 Jahren in ganz Afrika verbreitet habe. Denn Hublin sieht es als erwiesen, daß sich der Homo sapiens vor 300.000 Jahren aus Nordafrika über den Kontinent hinweg verbreitet hat (bevor er vor ca. 40.000 Jahren nach Eurasien weiterwanderte).


Dieser neue Fund wird noch lange beschäftigen, ist er doch bedeutend was den frühen Homo sapiens angeht. Eine Sache nur. Es war schon en Bruch, als man bemerkte, daß Neandertaler und Homo sapiens nebeneinander lebten. Aber bei jedem neuen Fund, der auf die gleiche Zeitepoche wie diese beiden Arten datiert wird, kommt zusätzlich in irgendeinem der Artikel die Aussage 'Zur Zeit des Homo sapiens lebten mehr Menschenarten nebeneinander als bisher angenommen.' Diese Aussage kommt, in ähnlicher Form, im Artikel der Tagesschau nämlich vor. Dabei wird der Homo naledi aus Afrika erwähnt, jedoch nicht der viel jüngere Homo floresiensis. Schon damals, als der Homo floresiensis entdeckt wurde, wurde die Aussage von verschiedenen Menschenarten, die zur gleichen Zeit neben dem Homo sapiens lebten, gemacht. Das gleiche beim Denisova-Menschen und nun auch bei diesem Fund, obwohl es sich hierbei sowieso um den modernen Menschen handelt.
Man könnte hier genauso auch mit dem Argument kommen: Mammuts starben in Europa am Ende der letzten Eiszeit aus. Aber die Zwergenform des Wollhaarmammuts ebte bis vor 4000 Jahren auf der Wrangelinsel. Also lebten noch lange während dem moderenen Menschen daneben Mammuts.



Hinweis zum Artikel in der Übersicht vom Deckblatt von Die Presse am 08.06.2017



Artikel in der Zeitung Die Presse vom 08.06.2017



Erwähnung im News Flash in der Gratis-Zeitung Heute vom 09.06.2017



Verwendete Links:

 Homo sapiens älter als gedacht


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