Die domestizierte Katze - Teil 1
Kurz vor dem Jahreswechsel beende ich meine Blog-Einträge für dieses Jahr mit einem Artikel, wie Forscher vermuten, daß die Katze zu den Menschen fand. Der Artikel ist schon etwas älter, 16.12.2013, und stammt von Welt N24. Ein zweiter Artikel, der dieses Thema auch behandelt, wird im neuen Jahr behandelt.
Chinesische Forscher vermuten, daß die Katzen die Getreidelager vor Musen bewahrten. Knochenfunde würden dies belegen. Die Knochen wurden in Quanhucun, welches in der Nähe von Shaanxi - einer Siedlung aus der Jungsteinzeit - in der Mitte Chinas liegt, gefunden. Das Dorf stammt aus der Zeit vor etwa 5560 bis 5280 Jahren.
Die Bewohner Quanhucuns werden der Yangshao-Kultur zugerechnet, die wegen ihrer bemalten Keramiken bekannt ist. Die Bewohner fertigten Werkzeuge aus polierten Knochen und Stein an und verwendeten zum Jagen Pfeil und Bogen, Harpunen, Angelhaken und Speere. Die bevorzugte Jagdbeute waren unter anderem Pferde, Hirsche, Nashörner, Antilopen. Sie bauten Rispen- und Kolbenhirse an, hielten Schweine und Hunde und züchteten sogar Seidenraupen.
Daneben wurden auch Knochenreste von mindestens 2 Katzen gefunden. Die Knochengröße wurde mit modernen Hauskatzen und Wildkatzen verglichen. Ein Vorderbeinknochen war kleiner als der von Wildkatzen, aber größer als der von Hauskatzen. Doch angesichts der geringen Knochenstückenanzahl ließ sich daraus kein ganz eindeutiger Schluss ziehen.
Anhand von Kohlenstoff- und Stickstoffisotopen in den Knochen der Katzen versuchte man Rückschlüsse auf das Nahrungsverhalten der Katzen schließen zu können. Dabei wird zwischen C3- und C4-Pflanzen unterschieden. So sind Reis oder Weizen C3-Pflanzen, Hirse hingegen ist eine C4-Pflanze. Die Katzen in Quanhucun fraßen demnach Hirse. Da dies für Katzen, laut Forschern, eher ungewöhnlich ist, wird vermutet, das es sich um Hauskatzen gehandelt haben könnte, die vom Menschen mit Essensresten gefüttert wurden.
In verschiedenen Siedlungen der Yangshao-Kultur wurden Tongefäße gefunden, die sich fest verschließen ließen, um den Inhalt vor Nagetieren zu schützen. Daher vermuten die Forscher, daß Katzen in vielen jungsteinzeitlichen Siedlungen Asiens gern gesehen waren, zumal die hohe Anzahl an Nagetieren, die die Kornkammern aufsuchten, ein Paradies für Mäusejäger gewesen dürften.
Eine der beiden Katzen hatte deutliche mehr Hirse gefressen als die andere. Da die Katze recht alt war, vermuten die Forscher, daß die Katze zu alt zum Mäusefangen war und von den Bewohnern daher grüttert wurde.
Der älteste Fund, bei dem Katzen mit Menschen in Kontakt waren, war ein Grab auf Zypern in der Siedlung Shillourokambu aus der Khirokitia-Kultur, mit einer Datierung von 9500 vor Christus. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier blieb bei diesem Fund allerdings unklar, da die Katze lediglich neben einem Menschen bestattet worden war. Denn es ist nicht klar, ob das Tier bereits domestiziert war, oder es sich um eine Wildkatze gehandelt hat. In jedem Fall muss das Tier von Menschen entweder versehentlich oder willentlich mitgebracht worden sein – denn auf Zypern gab es ursprünglich keine Wildkatzen.
Domestizierung bedeutet, laut den Forschern, daß der Mensch die Katze nicht nur in seiner Nähe duldete, sondern sich ihrer annahm und durch Züchtung bestimmte Eigenschaften im Aussehen oder Verhalten förderte. Experten vermuten, dass ägyptische Priester die ersten waren, die dies bei Katzen versuchten. In Ägypten waren die Katzen aber wohl auch Opfertiere, da einbalsamierte Tiere auch mit gebrochenem Genick gefunden wurden.
Wann genau die Wild- zur Hauskatze wurde, ist nicht ganz sicher. Der gesamte Zeitraum vom ersten Fund 9500 vor Christus bis zu den Funden mit einer Datierung vor rund 4000 bis 500 Jahren bislang eine Art schwarzes Loch. Daher sind die Befunde der Tiere aus Quanhucunaus von historischer Bedeutung, reichen sie doch zumindest ein wenig in diese Zeitspanne hinein.
Sicher ist jedoch, daß das Zusammenleben vor ca. 9000 Jahren begonnen haben dürfte, da zu diesem Zeitpunkt die Landwirtschaft begonnen hat. Mit ihr kamen die Getreidekammern, und damit die Mäuse, die die Katzen in die Nähe von Siedlungen zogen. Die Landwirtschaft begann rund 9000 Jahren vor Christus; Ausnahmen sind Ägypten, die heutige Türkei, Syrien, der Irak und der Iran.
Dort lebte die nordafrikanische Falbkatze, die neueren DNS-Untersuchungen zufolge die Vorfahrin aller domestizierter Katzen ist. Und auch über den Verbreitungsweg der domestizierten Katze weiß man inzwischen Bescheid: Obwohl der Handel mit Katzen in Ägypten eigentlich verboten war, gelangten die Tiere vor ungefähr 3000 Jahren auch nach Griechenland – und wurden von dort aus nach ganz Europa verbreitet.
Mein Fazit:
Meist liest man über Funde aus Europa. Und auch diese sind eher rar. Der Fund aus China ist gerade für Archäozoologen (Paläontologen, die Tieren aus der jüngeren Zeit bearbeiten, bei denen es sich meist um Haus- und Nutztiere handelt), interessant. Ein Fakt ist aber auch, daß der Archäozoologie nicht die Bedeutung zukommt, wie es beispielsweise bei der Archäologie der Fall ist. Eine engere Zusammenarbeit könnte diesbezüglich wichtige Lücken schließen. Gerade weil es so wenig Funde gibt, gibt es in diesem Feld noch viel zu erforschen.
Verwendete Links:
Als die Ur-Katze sich zu den Menschen verlief
Chinesische Forscher vermuten, daß die Katzen die Getreidelager vor Musen bewahrten. Knochenfunde würden dies belegen. Die Knochen wurden in Quanhucun, welches in der Nähe von Shaanxi - einer Siedlung aus der Jungsteinzeit - in der Mitte Chinas liegt, gefunden. Das Dorf stammt aus der Zeit vor etwa 5560 bis 5280 Jahren.
Die Bewohner Quanhucuns werden der Yangshao-Kultur zugerechnet, die wegen ihrer bemalten Keramiken bekannt ist. Die Bewohner fertigten Werkzeuge aus polierten Knochen und Stein an und verwendeten zum Jagen Pfeil und Bogen, Harpunen, Angelhaken und Speere. Die bevorzugte Jagdbeute waren unter anderem Pferde, Hirsche, Nashörner, Antilopen. Sie bauten Rispen- und Kolbenhirse an, hielten Schweine und Hunde und züchteten sogar Seidenraupen.
Daneben wurden auch Knochenreste von mindestens 2 Katzen gefunden. Die Knochengröße wurde mit modernen Hauskatzen und Wildkatzen verglichen. Ein Vorderbeinknochen war kleiner als der von Wildkatzen, aber größer als der von Hauskatzen. Doch angesichts der geringen Knochenstückenanzahl ließ sich daraus kein ganz eindeutiger Schluss ziehen.
Anhand von Kohlenstoff- und Stickstoffisotopen in den Knochen der Katzen versuchte man Rückschlüsse auf das Nahrungsverhalten der Katzen schließen zu können. Dabei wird zwischen C3- und C4-Pflanzen unterschieden. So sind Reis oder Weizen C3-Pflanzen, Hirse hingegen ist eine C4-Pflanze. Die Katzen in Quanhucun fraßen demnach Hirse. Da dies für Katzen, laut Forschern, eher ungewöhnlich ist, wird vermutet, das es sich um Hauskatzen gehandelt haben könnte, die vom Menschen mit Essensresten gefüttert wurden.
In verschiedenen Siedlungen der Yangshao-Kultur wurden Tongefäße gefunden, die sich fest verschließen ließen, um den Inhalt vor Nagetieren zu schützen. Daher vermuten die Forscher, daß Katzen in vielen jungsteinzeitlichen Siedlungen Asiens gern gesehen waren, zumal die hohe Anzahl an Nagetieren, die die Kornkammern aufsuchten, ein Paradies für Mäusejäger gewesen dürften.
Eine der beiden Katzen hatte deutliche mehr Hirse gefressen als die andere. Da die Katze recht alt war, vermuten die Forscher, daß die Katze zu alt zum Mäusefangen war und von den Bewohnern daher grüttert wurde.
Der älteste Fund, bei dem Katzen mit Menschen in Kontakt waren, war ein Grab auf Zypern in der Siedlung Shillourokambu aus der Khirokitia-Kultur, mit einer Datierung von 9500 vor Christus. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier blieb bei diesem Fund allerdings unklar, da die Katze lediglich neben einem Menschen bestattet worden war. Denn es ist nicht klar, ob das Tier bereits domestiziert war, oder es sich um eine Wildkatze gehandelt hat. In jedem Fall muss das Tier von Menschen entweder versehentlich oder willentlich mitgebracht worden sein – denn auf Zypern gab es ursprünglich keine Wildkatzen.
Domestizierung bedeutet, laut den Forschern, daß der Mensch die Katze nicht nur in seiner Nähe duldete, sondern sich ihrer annahm und durch Züchtung bestimmte Eigenschaften im Aussehen oder Verhalten förderte. Experten vermuten, dass ägyptische Priester die ersten waren, die dies bei Katzen versuchten. In Ägypten waren die Katzen aber wohl auch Opfertiere, da einbalsamierte Tiere auch mit gebrochenem Genick gefunden wurden.
Wann genau die Wild- zur Hauskatze wurde, ist nicht ganz sicher. Der gesamte Zeitraum vom ersten Fund 9500 vor Christus bis zu den Funden mit einer Datierung vor rund 4000 bis 500 Jahren bislang eine Art schwarzes Loch. Daher sind die Befunde der Tiere aus Quanhucunaus von historischer Bedeutung, reichen sie doch zumindest ein wenig in diese Zeitspanne hinein.
Sicher ist jedoch, daß das Zusammenleben vor ca. 9000 Jahren begonnen haben dürfte, da zu diesem Zeitpunkt die Landwirtschaft begonnen hat. Mit ihr kamen die Getreidekammern, und damit die Mäuse, die die Katzen in die Nähe von Siedlungen zogen. Die Landwirtschaft begann rund 9000 Jahren vor Christus; Ausnahmen sind Ägypten, die heutige Türkei, Syrien, der Irak und der Iran.
Dort lebte die nordafrikanische Falbkatze, die neueren DNS-Untersuchungen zufolge die Vorfahrin aller domestizierter Katzen ist. Und auch über den Verbreitungsweg der domestizierten Katze weiß man inzwischen Bescheid: Obwohl der Handel mit Katzen in Ägypten eigentlich verboten war, gelangten die Tiere vor ungefähr 3000 Jahren auch nach Griechenland – und wurden von dort aus nach ganz Europa verbreitet.
Die nordafrikanische Falbkatze -
neueren DNS-Untersuchungen zufolge, Vorfahre aller domestizierter Katzen
Quelle: picture alliance / Arco Images G
Mein Fazit:
Meist liest man über Funde aus Europa. Und auch diese sind eher rar. Der Fund aus China ist gerade für Archäozoologen (Paläontologen, die Tieren aus der jüngeren Zeit bearbeiten, bei denen es sich meist um Haus- und Nutztiere handelt), interessant. Ein Fakt ist aber auch, daß der Archäozoologie nicht die Bedeutung zukommt, wie es beispielsweise bei der Archäologie der Fall ist. Eine engere Zusammenarbeit könnte diesbezüglich wichtige Lücken schließen. Gerade weil es so wenig Funde gibt, gibt es in diesem Feld noch viel zu erforschen.
Verwendete Links:
Als die Ur-Katze sich zu den Menschen verlief



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