Wie die Fische laufen lernten

Diesmal wieder ein Bericht von science.orf.at, der vom 09.02.2018 stammt. Es behandelt die these, daß nicht erst die Lungenfische das Laufen erlernten, sondern bereits die Knorpelfische.

Bisher ging man davon aus, daß irgendwo zwischen Fischen und Amphibien, das Laufen entwickelt haben müssen. Bisher war man der Meinung, daß die Lungenfische gute Kandidaten für diese Position gelten. Nicht nur weil sie Lungen besitzen, sondern weil sie mit ihren Flossen im Flachwasser auch watscheln können. Ihre Flossen haben eine Doppelfunktion, sie sind Schwimmorgane und - zumindest im rudimentären Sinne - auch Beine.

Laut Jeremy Dasen vom NYU Neuroscience Institute / Department of Neuroscience & Physiology / NYU School of Medicine könnte die Erfindung aber bereits viel früher entwickelt worden sein, nur von einer urtümlicheren Gruppe: den Knorpelfischen, wo Haie, Rochen und Seekatzen dazu gehören.

 Und zwar geht es hier speziell um die Rochen. Dasen hat den an der Ostküste der USA lebenden Rochen Leucoraja erinacea genauer untersucht, da ihm bei dieser Art eine ungewöhnliche Arbeitsteilung der Flossen aufgefallen war.

Die großen, fächerförmigen Brustflossen verwendet Leucoraja wie üblich zum Schwimmen. Bewegt sich der Rochen jedoch knapp über dem Meeresboden, verwendet er stattdessen die kleinen Beckenflossen, mit denen er sich mittels links.rechts-Bewegungen vom Boden abstößt.

Dasen erwähnt zusätzlich, da diese Bewegungen durchaus mit jenem von Mäusen vergleichbar sei. Denn nach Analyse der an der Bewegung beteiligten Gene kommt der Neurobiologe zu dem Schluss: Das sind die selben Gene, die auch bei laufenden Mäusen und anderen Landwirbeltieren aktiv sind. Gleiches gilt für die Bewegungsprogramme, die an der Kontaktstelle von Muskeln und Nervenzellen ablaufen. Diese „central pattern generators“ haben sich im Laufe der Naturgeschichte offenbar kaum verändert.

Jedefalls haben, laut Dasen, damit vor 400 Millionen Jahren Knorpelfische das Laufen erfunden, die mit amphibischer Lebensweise nichts zu tun haben.



Leucoraja erinacea
 Bild: andy Martinez / NOAA


 Mein Fazit:

Das die Bewegung des Laufens bzw. des Gehens bereits vor ca. 420 Millionen Jahren vom Urahn des Leucoraja erinacea erfunden worden sein soll, und vom heutigen Exemplar noch immer so angewendet wird wie heute, ist eine interessante Entwicklung, was die Entwicklung und Erforschung der Fortbewegung betrifft. Zumal die Knorpelfische nichts mit Amphibien zu tun haben.

Jedoch die einzige Sensation diesbezüglich ist, daß es Tierarten gab, die diese neue Fortbewegungstechnik viel früher entwickelt haben, als bisher angenommen, sie aber nur teilweise nutzen, bzw. es nicht aus dem Wasser heraus geschafft haben. Die Vorfahren der Amphibien jedoch schon. Aus neurobiologischer Sicht, werden die gleichen Gene verwndet, um die Art der Fortbewegung zu "aktivieren". Nur dies läßt sich leicht durch einen anderen Fakt erklären: konvergente Evolution oder auch Parallelevolution.

Die konvergente Evolution ist die Entwicklung von analogen Merkmalen, bei nicht näher verwandten Arten. Ein seh gute Beispiel hierfür ist, daß Flugechsen / Flugsaurier einen verlängerten Finger hatten, an dem die Haut zwischen Beinen und Finger gespannt war, was den Tieren das Fliegen ermöglichte. Es gibt Säugetiere, die eine ähnliche Evolution durchgemacht haben: Fledermäuse und Flughunde. Nur sind bei diesen Tieren alle 5 Finger verlängert, während es bei den Flugechsen nur der letzte war.

Fakt ist also: es mögen zwar die Knorpelfische das "Laufen" früher entwickelt haben, aber es waren die Vorfahren der Amphibien, die den evolutionären Sprung geschafft haben.


Verwendete Links:

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