Was Tierknochen Archäozoologen erzählen

Diesmal blogge ich über einen Artikel der Presse und wurde in der Print-Ausgabe am 20.01.2018 veröffentlicht.

Der Artikel behandelt nicht nur ein spezielles Thema, den Bereich Archäozoologie -  Archäozoologie umfasst die Analyse und Interpretation der Überreste von Tieren aus archäologischen Grabungen - sondern auch informiert auch ein bißchen etwas über Konstantina Saliari. Ihren Magister machte sie in Athen im Bereich Archäologie, ihre Dissertation schrieb sie an der Universität Wien und nun ist sie wissenschaftlicher Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums Wien. Ihr Dissertationsprojekt war die Burganlage Sand in Niederösterreich aus archäozoologischer Sicht zu untersuchen.

Die Burgruine Sand stammt aus dem 10. Jahrhundert und liegt bei Raabs an der Thaya. Bisherige Funde halfen den Archäologen wenig, um Aussagen darüber treffen zu können, welche Menschen die Burg bewohnten oder welches Wirtschaftssystem dort herrschte. „Archäozoologen bringen einen neuen Blick auf die Ausgrabung, da wir nicht anthropozentrisch denken, sondern über die Tiere erst die Menschen verstehen wollen“, so Saliari.

Das Team des NHM fand über 10.000 Tierknochenfragmente und konnte diesen fast 30 verschiedenen Tierarten zuordnen. Mehr als 40% waren Wildtiere. Die Forscher vermuteten also, daß um Nahrung und Rohmaterialien zukommen, viel gejagt wurde. In manchen Burgräumen fand man Hinweise auf eine Gerberei: Die Felle und Haut der Tiere wurden zu Werkzeug und Kleidung verarbeitet.

Die Forscher waren von den Funden der Nutztieren überrascht: diese sind jung geschlachtet worden. Hauptsächlich fanden sich Rinderknochen, von jungen Ochsen, weiters waren weibliche junge Schweine und Ziegen stark vertreten. Die Tiere waren also keine Milchlieferanten oder Arbeitstiere, sondern reine Nahrung für die Burgbewohner. Es gab auch Hinweise militärischer Ausrüstung, die zeigten, dass die Burg wahrscheinlich von berittenen Kriegern bewohnt wurde.

Die Forscher vernuteten daher, daß es sich bei den Burgbewohnern um Räuber handelte, die den Bauern aus den umliegenden Bereichen, die jungen Nutztiere wegnahmen um diese zu essen. „Diese Ergebnisse waren nur möglich, weil die Vergleichssammlungen im NHM so breit gefächert und gut organisiert sind“ sagt Saliari.

Saliari forscht auch in anderen Ländern: im Sudan, in Ägypten oder Italien. Anhand tierischer Überreste versucht sie zu erkennen, welche Lebensweise und Wirtschaftssysteme die Menschen vor Tausenden von Jahren hatten.

Saliari erzählt am Ende des Artikels noch von einem Erlebnis einer Ausgrabung Podersdorf am Neusiedler See. In einem Gräberfeld der Awarenzeit (7. Jh. n. Chr.) wurden viele Tierknochen gefunden. Eine typische Grabbeigabe auf dem alten Friedhof war Fleisch. Bei Kindern wurden vorwiegend Hühnerknochen gefunden. Erwachsenen wurden eher Rinderteile ins Grab gelegt – stets Körperteile, die gute Fleischqualität versprachen. Die Forscher rätseln, welche "symbolischen Botschaften" dahinter stecken konnten. Auch erzählt Saliar, daß das Team viel Unterstützung von der lokalen Bevölkerung bekam.


Ihre Erkenntnisse vermittelt Saliari gern einer breiten Öffentlichkeit, etwa bei Führungen im Museum, der Langen Nacht der Museen und der Langen Nacht der Forschung.



Konstantina Saliari im Depot des NHM
(c) Clemens Fabry



Mein Fazit:

Der Begriff Archäozoologie bedeutet, übersetzt aus dem Griechischen, Lehre von alten Tieren. Es ist nur ein anderer Begriff für Paläontologie. In der Paläontologie beschäftigt man sich mit Fossilien von zumeist ausgestorbenen Tierarten. In der Archäozoologie beschäftigt man sich mit Tieren aus dem Holozän. Es handelt sich hierbei um Tiere, die als Haus- und Nutztiere gehalten worden sind.

Zwar werden bei Ausgrabungen oft Tierknochen gefunden, nur werden ihnen von den Archäologen meist kaum bis selten Aufmerksamkeit geschenkt, oder meist nur dann, wenn die Knochen bearbeitet worden sind und als Werkzeuge verwendet worden sind.

Manche Archäologen können bei einer Ausgrabung sogar meinen, daß die gefunden Tierknochen nicht teil des Fundmaterials sind, also gar nicht dazu gehören, auch wenn es sich hierbei um Knochen aus der Abfallgrube handelt, wie es bei einer Grabung in Judenburg der Fall war, an der ich einst teilnahm.

So etwas ist sehr schade. Paläontologische / archäozoologische, anthropologische und archäologische Funde gehen meist miteinander einher. Man sollte also nicht nur einen Bereich untersuchen sondern alles beleuchten. Es könnte Erkenntnisse bringen die man, bei nur einem Bereich, vielleicht gar nicht in Betracht gezogen hätte.


Verwendete Links:

Tierknochen erzählen Geschichte

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